Denkmal für Schnee: eine Stimme, zwei Sprachen

Berglandschaft beim Aufbau von Denkmal für Schnee in den Tuxer Alpen – Foto: TLM / Fritz

Ein Kunstprojekt über das Verschwinden des Schnees, eine zweisprachige Stimme und ein intensiver Austausch: Für die Tiroler Landesmuseen begleiteten wir die Sprachaufnahmen zu Esther Strauß’ „Denkmal für Schnee“ mit Marianne Graffam.

Normalerweise erinnern Denkmäler an etwas, das bereits verloren gegangen ist. Esther Strauß dreht diesen Gedanken um: Ihr „Denkmal für Schnee“ in den Tuxer Alpen erinnert an einen Verlust, noch bevor er vollständig eingetreten ist. Auf einem namenlosen Gipfel zwischen Glungezer und Gamslahnerspitze trägt ein 80 Zentimeter langer Messing-Schriftzug die drei Worte des Werktitels. Der Berg selbst wird zum Sockel.

Zum Kunstprojekt der Tiroler Landesmuseen gehört eine Audioführung, die diesen Gedanken weiterträgt. Sie verbindet Fragen zur Klimakrise mit persönlichen Erfahrungen von Sehnsucht, Abschied und Vergänglichkeit. Schon der hier vorgestellte Ausschnitt macht hörbar, wie nah ein großes Thema an das eigene Leben heranrücken kann: Was bedeutet uns der Schnee – und was verändert sich, wenn er verschwindet?

Zweisprachiger Audioguide: eine Stimme für Deutsch und Englisch

Gesprochen werden beide Sprachfassungen von Marianne Graffam. Als native zweisprachige Sprecherin kann sie Deutsch und Englisch mit derselben stimmlichen Identität vermitteln. Für einen Audioguide ist das ein besonderer Vorteil: Die Sprache wechselt, die vertraute Stimme bleibt. Klangfarbe, Haltung und die Atmosphäre der Erzählung lassen sich über beide Fassungen hinweg aufeinander abstimmen.

Auch in der Produktion vereinfacht diese Besetzung die Zusammenarbeit. Statt zwei Stimmen getrennt in die künstlerische Idee einzuführen, können wir beide Sprachfassungen mit derselben Sprecherin entwickeln. Aussprache, Rhythmus und Betonung folgen dabei den Eigenheiten der jeweiligen Sprache. So entsteht keine bloße Kopie, sondern eine deutsche und eine englische Interpretation mit einem gemeinsamen stimmlichen Charakter.

Aufnahmeregie im engen Austausch mit Esther Strauß

Die Texte stammen von Esther Strauß. Die Künstlerin war während der gesamten Aufnahme live zugeschaltet und intensiv an der Regie beteiligt. Dieser unmittelbare Austausch prägte die Arbeit im Studio: Bedeutungen, Betonungen und Pausen konnten direkt miteinander besprochen und mit Marianne Graffam umgesetzt werden.

Gerade bei einem Text, der zwischen konkreter Beobachtung und poetischem Gedanken wechselt, ist diese Nähe wertvoll. Es geht nicht nur darum, verständlich zu sprechen. Es geht auch darum, einem Gedanken Raum zu geben und die Haltung hinter den Worten hörbar zu machen. Unsere Erfahrung in der Sprachaufnahme und Esther Strauß’ künstlerische Perspektive griffen dabei eng ineinander.

Ein Projekt, das auch uns bereichert

„Denkmal für Schnee“ war für uns inspirierend und lehrreich – weit über die eigentliche Audioproduktion hinaus. Die intensive Beschäftigung mit den Texten und das Gespräch mit der Künstlerin eröffneten neue Perspektiven auf Schnee, Klimawandel und den Umgang mit Verlust.

Genau das macht unseren Beruf so besonders: Wir bringen unsere Fachkompetenz ein und dürfen gleichzeitig selbst dazulernen. Bei solchen Projekten wird das Tonstudio auch zu einem Ort des Austauschs, an dem sich technisches Können, Sprache, Kunst und allgemeine Weiterbildung begegnen. Dass wir mit unserer Arbeit dazu beitragen dürfen, diese Gedanken für deutsch- und englischsprachige Menschen hörbar zu machen, ist für uns ein echtes Privileg.

Die beiden Hörbeispiele zeigen denselben Ausschnitt der Audioführung auf Deutsch und Englisch – mit Marianne Graffams Stimme in beiden Fassungen.

Foto: TLM / Fritz.

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